Die EU verschlimmert Dein Fernsehprogramm

Hinweis: Dieser Artikel ist auch als Podcast-Episode im Podcast „Moin aus der Filterbubble“ erschienen. Mehr über den Podcast ist hier zu finden.

Das Antennenkabel habe ich vor vielen Jahren schon mal einfach komplett vom Fernseher abgeschraubt. Ich wollte mich selbst gar nicht erst in Versuchung führen, irgendwas von dem Mist, der da jeden Tag so läuft und dessen Konsum mich Jahre meines Lebens gekostet hat, jemals wieder anzugucken. Ich wollte nur noch gezieltes Programm sehen, statt mich sinnlos von jedem Schrott berieseln zu lassen. Und so stecken schon lange statt einer Antenne ein Amazon Fire-TV-Stick und ein Google Chromecast in meinem Fernseher, über die ich (fast) ausschließlich Streamingdienste nutze.

In sehr seltenen Fällen landen auf diese Weise dann doch noch mal einzelne Fernsehsendungen von Arte, ARD oder ZDF auf meinem Fernseher. Der normale Fernsehabend beschränkt sich aber derzeit fast komplett auf Inhalte von Amazon Prime und Netflix.

Gerade letztere werden nun aber demnächst von der EU gezwungen, sich programmatisch zu verschlechtern. Denn man plant eine Art Nationalismus-Quote, nach der 30-40 Prozent der Inhalte von Streamingdiensten gefälligst europäische Produktionen zu sein haben.

Funfact am Rande: Immer, wenn man von irgendeinem neuen Bullshit hört, den sich in jemand Brüssel ausgedacht hat, steckt meistens irgendein Politikername dahinter, den man vorher nie gehört hat und von dem man hinterher normalerweise auch nie wieder was hört. Beim vorerst gescheiterten EU-Leistungsschutzrecht war es dieser bis dato völlig unbekannte Typ namens Axel Voss. Im Fall der Netflix-Europäisierung ist nun ein gewisser Roberto Viola federführend.

Seineszeichens „Generaldirektor der Generaldirektion Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien der Europäischen Kommission“, was auch wiederum so ein Posten hat, von dem wahrscheinlich kaum einem EU-Bürger klar war, dass es den gibt, geschweigedenn braucht. Aber genau deswegen muss sich Roberto Viola wohl hin und wieder irgendeinen Quatsch ausdenken, um seinen Posten irgendwie zu rechtfertigen. Vielleicht ist das auch schon das Grundproblem der EU, wer weiß?

Wie dem auch sei: Wer, wie ich, ganz bewusst deutsches Fernsehen meidet, weil es einfach fast nur Blödsinn produziert und es mit Netflix & Co fabelhafte Alternativen gibt, dem verschlechtert die EU nun absichtlich per Gesetz das Programm. Und zwar aus einem wirklich schrägen, regelrecht  Nationalistischem Antrieb heraus. Es ist eine Art kulturelle Bevormundung, was da läuft.

Denn es ist ja auch klar, dass selbst Netflix jeden Cent nur einmal ausgeben kann und das Geld, das demnächst für die 30 Prozent europäischen Inhalte plus den Betrag, den die selbe Gesetzesvorlage zur Investition in den Filmförderfonds vorschreibt, jedenfalls nicht mehr in Produktionen von Weltklasse-Serien wie House of Cards, Narcos oder Orange is the new Black stecken. Und auch nicht mehr in den Einkauf von Lizenzen anderer aktueller Serien oder Kinofilme.

Die EU zwingt die Streaminganbieter dazu, ihr Programm zu einem Drittel nach politischen Vorgaben zu gestalten, statt – wie bisher – einzig und allein nach dem eigenen Budget, vor allem aber nach dem Geschmack des Publikums.

Am Budget der Firmen wird sich durch dieses neue Gesetz nichts ändern. Dieses wird aber nun zu einem Drittel für politisch gewünschte Zwecke gebunden. Was also auf der Strecke bleibt, ist der Geschmack des Publikums, der damit nun bei der Programmplanung zwangsläufig weniger berücksichtigt werden wird.

Das ist als Deutscher besonders ärgerlich. Denn zusätzlich zu den beispielsweise 17 Euro, die die Abos von Netflix und Amazon Prime im Monat im Günstigsten Fall kosten, zahlt man hierzulande ja auch noch mal 17,50 Euro für das Unterschichtenfernsehen per Antenne oder Kabel – und damit eben auch für dessen sehr deutsche Eigenproduktionen, deren Anteil seit jeher weit oberhalb der geforderten 30 Prozent liegt. Ich habe eine Statistik der ARD gefunden, in der sogar etwas von nur 8 Prozent zugekaufter Inhalte steht.

Im Endeffekt werden wir nach diesem Rechenbeispiel für unsere 34,50 Euro im Monat also locker zur Hälfte mit Programm versorgt, dass sich nicht primär nach unserem Geschmack richtet, sondern das uns politisch aufgezwungen wird und komplett in Europa, vermutlich hauptsächlich in Deutschland, produziert wird. Zumindest in den Beiträgen für private Streamingdienste sind außerdem auch noch saftige 19 Prozent Mehrwertsteuer enthalten. Soviel zum Thema Kultur genießt das Privileg des Ermäßtigtem Mehrwertsteuersatzes.

Es stellt sich die Frage, warum man in Brüssel die Geschmäcker von uns Bürgern dermaßen geringschätzt, dass man meint, sie gesetzlich korrigieren zu müssen. Insbesondere Netflix hat ja dabei zuletzt auch schon viele gute und sehr erfolgreiche europäische Serien selbst produziert. Ich nenne nur mal Dark und Haus des Geldes. Die gab es ganz ohne Zwang, einfach weil Netflix‘ Strategie die ist, ein möglichst breites Angebot zu haben und dafür kauft man halt von jedem greifbaren kreativen Kopf dieser Welt Inhalte ein. Aus welchem Land er nun gerade kommt, spielt überhaupt keine Rolle

Dass trotzdem der größte Teil des privaten Streaming-Programms amerikanische Produktionen sind, hat seine Gründe. Zum Einen ist Amerika eben immer noch der weltweit bedeutendste Produktionsstandort für Film und Fernsehen. Und zum Anderen sind die großen Streaminganbieter nunmal amerikanische Unternehmen.

Wenn die EU-Kommission meint, dass in Europa filmtechnisch mehr passieren sollte, dann wäre es das Ehrlichste, sich irgendwelche Subventionen auszudenken. Ich garantiere, dass Netflix die dankend annehmen wird – gleichzeitig aber eben nicht zwangsläufig die Qualität darunter leiden wird.

Stattdessen macht man das Gegenteil und provoziert Ramschproduktionen, weil einfach nur eine gewisse Quote erfüllt werden soll. Man verschlimmert also mit Absicht unser Fernsehprogramm. Für das wir – voll versteuert – zahlen.

Wem das etwas nützt? Keinem einzigen Bürger und höchstens den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten. Deren derzeitig recht großer qualitativer Abstand zu Netflix & Co verringert sich dadurch eventuell ein wenig. Ob es das wohl wert ist?

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