Wie ich lernte, Popmusik zu hassen

Als ich 1998 eine Ausbildung in einem Maschinenbaubetrieb begann, begann ich gleichzeitig – unfreiwillig – jeden Tag Radio zu hören. Damit begann ich nicht nur Popmusik mehr und mehr zu hassen, sondern auch einen gewissen Radiosender, der es mit dem Konzept Dudelfunk bereits damals extrem übertrieben hat – dummerweise aber der einzige war, den man in der Halle, in der sich mein Arbeitsplatz befand, halbwegs gut empfangen konnte.

Ich war nicht allein damit, mich von diesem Sender genervt zu fühlen, der allen Ernstes täglich zur gleichen Uhrzeit die gleichen und immer wieder gleichen 20 aktuellen „Top-Hits“ meinte spielen zu müssen. Die sich zu allem Überfluss auch noch (spätestens!) alle zwei Stunden wiederholten.

Vier Jahre lang ertrug ich diese debile Dauerberieselung genervt aber wacker. Die Folgen wirken sich aber bis heute aus: Ich ertrage Radio freiwillig keine 30 Sekunden und mache einen großen Bogen um Popmusik im Allgemeinen und einen noch größeren Bogen um Popmusik, die jünger als 20 Jahre ist. Von sehr sehr wenigen Ausnahmen abgesehen hält sich der damit verbundene kulturelle Verlust aber ja auch sehr in Grenzen, wie sicher jeder, der ein bisschen was für Musik übrig hat, bestätigen wird.

Eine interessante Erkenntnis dieser Tage – und Anlass für diesen kleinen Rückblick – ist nicht nur, dass jener Sender bis heute erschreckend erfolgreich vor sich hin sendet. Sondern vielmehr, dass er offenbar seine Mitarbeiter ähnlich mies behandelt wie seine Hörer. Muss man auch erst mal schaffen.

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