Tesla-Käufer müssen Prämie zurückzahlen – der doppelte Skandal der E-Mobilität

Auch in der Wolfsburger Autostadt wird kein einziges Elektroauto ausgestellt.

Der Skandal ist nicht, dass Tesla „trickst“ und aufgrund nicht ernst gemeinter verbilligter „Model S“-Fahrzeuge nun Teslas Kunden Prämien im vierstelligen Bereich an den Staat zurückzahlen müssen.

Der Skandal ist, dass die angeblich der Umwelt dienende Förderprämie der Bundesregierung bei überschreiten eines bestimmten Preises gar nicht erst gewährt wird. Ja, die Bedingungen für die Förderung wurden ein wenig schlitzorig erfüllt – aber unter dem Strich werden hier Kunden bestraft, die ein Elektroauto erworben, also sich exakt so verhalten haben, wie die Regierung sich das wünscht.

Welchen Sinn soll das haben, außer den, den Tesla keck unterstellt, nämlich mit der Prämie lieber die heimische Industrie zu fördern als die oft höherpreisigen Teslas? Würde es bei dieser Förderpraxis darum gehen, die Ausgaben zu deckeln, hätte man stattdessen einfach die, nunja, Ausgaben deckeln, also eine maximale Fördersumme definieren können. Stattdessen wird jetzt so getan, als trüge ein Tesla gar nichts dazu bei, das von der Bundesregierung ausgegebene, natürlich völlig alberne* (und strategisch falsche) Ziel, übernächstes Jahr eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren zu lassen.

Der Skandal über dem Skandal ist natürlich, dass für Elektromobilität überhaupt eine Förderprämie gezahlt wird. Das ist strategisch falsch.

Ja, ich finde Elektroautos auch geil. Jedenfalls als Konzept. Natürlich sind die teurer aber da kann man Dinge wie Verschleiß und Kraftstoffverbrauch einfach mal gegenrechnen und dann relativiert sich das aus Kundensicht durchaus. Keine Ahnung, ob es sich vollständig kompensiert und ob das für jedes Nutzungsszenario gleichermaßen gilt aber jedenfalls halte ich den Anschaffungspreis für das kleinste Problem beim Thema E-Mobilität.

Der Grund, aus dem die Leute (sehr zum Unmut der Regierung, die hier mehr von ihren Untertanen erwartet hat) einen großen Bogen um Elektroautos machen, während sie sie in anderen Ländern deutlich lieber kaufen, ist natürlich die mehr als mangelhafte Infrastruktur hierzulande, ohne die man einfach nicht sinnvoll elektrisch fahren kann. Es gibt viel zu wenige öffentliche Ladesäulen, es gibt aber auch bei den Leuten zuhause normalerweise null Ladeinfrastruktur, geschweigedenn am Arbeitsplatz. Wer in der Stadt ohne eigenen Parkplatz wohnt hat überhaupt keine Chance, seine Karre zuhause zu laden. Und da das nunmal sehr viel länger dauert, als mal eben zu tanken, will man das auch nicht wirklich unterwegs machen, sondern vorzugsweise zu Zeiten, in denen das Fahrzeug nicht benötigt wird – und genau das geht in Deutschland fast nirgends.

Vor diesem Hintergrund wirkt die Prämie auf den Kauf eines Fahrzeugs endgültig lächerlich. Das Geld hätte man stattdessen direkt in den Ausbau der Infrastruktur stecken sollen, damit die Grundlage für den Betrieb solcher Fahrzeuge überhaupt erstmal gegeben ist.

Aber – und damit kommen wir wieder auf Skandal#1 zurück: Dann hätte man ja zwangsläufig Elektromobilität insgesamt gefördert und nicht vor allem die heimische Industrie. Dann wäre es einem um die Sache gegangen und nicht um eine versteckte Subvention für vor allem deutsche Hersteller.

* „Albern“ ist das Ziel angesichts der Tatsache, dass laut Statista Anfang 2018 rund 50.000 Elektrofahrzeuge unterwegs waren, also bis Ende 2020  (54 Monate) mal eben die restlichen 946.139 Fahrzeuge gekauft und zugelassen werden müssten. Na, wenns weiter nichts ist!

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