Corona-Tagebuch: 66 Tage soziale Isolation ­čŚ╣

Es gibt Leute, die rufen bei Kegelbahnen an und wollen Termine vereinbaren. Restaurants haben ja schlie├člich auch schon auf. Und Fitness-Studios.

Diesen Leuten klar zu machen, dass 1. die Bedingungen, unter denen man ├Âffnen darf, wirtschaftlich l├Ąngst nicht f├╝r jeden Betreiber sinnvoll sein m├╝ssen und 2. so „Kleinigkeiten“ wie, dass man w├Ąhrend einer Geschichte wie eben dem Kegeln, das vor allem von einer gewissen Geselligkeit lebt und f├╝r viele eher in zweiter Linie sowas wie ein Sport ist, gewisse Hygieneregeln beachten m├╝sste (Kugeln nach jedem Gebrauch desinfizieren, Abst├Ąnde einhalten) das Ganze zu einer komplett spa├čbefreiten Sinnlos-Veranstaltung machen w├╝rden, ist vermutlich nicht immer ganz einfach.

Dass die Wahrscheinlichkeit, dass sich einer der kreisweit nur noch 51 (Plus unbekannter Dunkelziffer, jaja) ausgerechnet auf ne Kegelbahn verirrt, ist zwar ungef├Ąhr so gro├č wie ein Sechser im Lotto. Aber sogar beim Lotto gewinnen angeblich ja immer mal wieder Leute.

Flatten the Curve? Flacher geht es ja kaum noch…

Fakt ist, dass nicht nur die Zahl aktuell erkrankter Personen auf wenige Dutzend geschrumpft ist, sondern auch die Zahl neuer Infektionen immer weiter sinkt. In der vergangenen Woche hat es sage und schreibe 6 Neuinfektionen gegeben, w├Ąhrend 63 F├Ąlle als „genesen“ gez├Ąhlt werden konnten.

In den letzten sieben Tagen sind also deutlich mehr Menschen genesen, als aktuell noch erkrankt sind und die Zahl der Genesenden liegt um ein Zehnfaches h├Âher, als die Zahl der Neuinfektionen.

So sieht die Situation hier im Landkreis aktuell aus. An einem Freitag, dem ein relativ k├╝hles und wenig sommerliches Wochenende folgen wird.

Dementsprechend werden Gelegenheiten, sich zu infizieren, mutma├člich auch etwas geringer ausfallen, als vielleicht bei sommerlichen Temperaturen und Grillwetter, so dass die Zahlen wohl weiterhin gut bleiben werden.

Das n├Ąchste Wochenende wird dann ein langes und da scheint Sahnewetter auf uns zuzukommen. Da wird es dann vielleicht noch mal wieder spannend. Aber sp├Ątestens, wenn das ├╝berstanden ist, wird wirklich absurd, weiterhin auf strengen Kontaktbeschr├Ąnkungen zu bestehen.

Und es bedeutet ja nicht, dass man umgehend Gro├čveranstaltungen erlauben m├╝sste. Aber vielleicht das Treffen von 5 oder 10 Freunden?

Wir sind in Coront├Ąnewoche 10 und so langsam reicht es einfach. 66 Tage Lebenszeit ohne nennenswerten Kontakt zu anderen Menschen.

Ja, man ├╝berlebt das irgendwie. Es nervt tierisch aber man kriegt es hin.

Aber problematischer als die soziale Isolation ist, dass eigentlich alles erf├╝llt ist, was die Politik die ganze Zeit unterschwellig als das verkauft hat, was wir erreichen wollen und trotzdem maximal Lockerungen f├╝r bestimmte Gewerbe passieren (l├Ąngst noch nicht f├╝r alle), im privaten Bereich aber so gut wie nichts erm├Âglicht wird.

Was auch deswegen verlogen ist, weil gerade im privaten Bereich mit Sicherheit millionenfach diese Regeln sowieso ignoriert werden. Wer sich daran so h├Ąlt, wie es eigentlich befohlen wird, ist mal wieder der Idiot und darf ein weiteres Wochenende lang alleine zuhause die Wand anstarren.